Die Pharma Industrie hat in Deutschland einen ziemlich starken Einfluß auf Politik, Gesundheitsorganisationen, und Entscheidungsträgern. Die Medikamentenpreise zählen hierzulande zu den höchsten der Welt. Als Argument für die hohen Preise bietet die Industrie gewöhnlicherweise die hohen Kosten der Forschung. Aber es gibt eine steigende Anzahl Nachweise welche dieses Argument entkräften: Nachgewiesen wurde, daß eine nicht vernachlässigbare Anzahl neuer Preparate keine signifikanten medizinischen Vorteile gegenüber existierende Medikamente aufweisen. Und häufig ist das Budget für Marketing höher als das für Forschung. D.h. oft genug sind hohe Preise nicht das Ergebnis hoher Aufwendungen in Forschung. Genau genommen, die Öffentlichkeit besitzt keinen Einblick in den Berechnungen, die zu den Preisen führen.
Doku - BR-Serie Stationen VideoX, 29.01.2014: "Schicksal Demenz: Rechtlos und ausgeliefert?" [ALTEN- UND PFLEGEHEIME]
X) Diese Dokumentation wurde bereits VOR dem 03.02.2014 DEPUBLIZIERT, ist also online nicht mehr verfügbar! Es gibt weitere dokus zu diesem Thema die zu ähnlichen Schlüssen kommen.
Eckpunkte:
* Die Lage von Demenzkranken in Pflegeheimen ist oft katastrophal. Die Lage des Personals ist etwas besser.
* Pflegeheime sind meistens nicht-staatlich, werden oft von großen Investmentgesellschaften betrieben, daher um Profitwillen.
* Wegen Kosteneinsparung wird Pflegepersonal auf ein kaum tragbares Minimum reduziert.
* Zeitmangel erlaubt dem Pflegepersonal lediglich die Erledigung von pflegetechnischen Aufgaben (mit vorgeschriebener Anzahl Minuten pro Aufgabe** wie typisch für Pflege-Organisationen). Zeit für menschliche Zuwendung der Kranken ist nicht vorhanden.
* Damit der Bedarf an Pflegepersonal auf ein Minimum gehalten wird, werden Kranke bei unzureichendem Anlaß, oft permanent durch Neuroleptika ruhiggestellt. Sie fristen ein Dasein als "Zombie". Ihr gesellschaftliche Daseinsberechtigung ist reduziert auf Melkkühe für Investoren.
* Neuroleptika werden sehr oft gedankenlos, ohne ausreichende gesundheitliche Indikation verschrieben. Nicht nur in Pflegeheimen.
* Angehörige Kranker werden über Medikamentenverabreichung nicht informiert bzw. dreist angelogen.
* Der einzelne Angehörige wird von keiner der beteiligten Parteien - Heimbetreiber, Ärztekammern, Krankenkassen - für voll genommen. In Punkto Recht-bekommen stehen Angehörige fast immer auf verlorenem Posten. Das System hat von dem Angehörigen nichts zu befürchten.
* Die Lobby der großen Heimbetreiber hat die Gesetzgeber, die Politiker voll im Griff.
* Heimbetreiber können Gesetze misachten ohne juristische Konsequenz. Pflegeheime sind geschlossene Anstalten ohne neutrale Kontrolle. Sollte mal eine Kontrolle stattfinden, dann wird das Wesentliche ausgelassen, lediglich die Einhaltung mancher formaler Regeln wird geprüft.
* Eine humane Alternative zu Pflegeheimen bilden Bretreute Wohngemeinschaften - ein Unterschied wie Tag und Nacht. Diese sind in Deutschland eine Seltenheit weil der politische Wille fehlt. Das einzige Land in dem betreute Wohngemeinschaften zur Regel geworden sind ist Dänemark.
Eckpunkte:
* Die Anzahl Pflegekräfte in Heimen sind meistens viel zu gering um einen Sterbenden beizustehen und zu versorgen in den letzten Stunden vor seinem Tod. Gestorben wird häufig im leeren Zimmer.
* Medizinische Versorgung in Heimen ist oft schlecht. Einen starken Kontrast dazu bietet die Palliativmedizinische Versorgung der Hospizen: Richtige und dem Patientenwillen entsprechende Medikamente sowie Nahrung. Heime sind damit oft fachlich überfordert.
* Seit 2007 hat jeder einen gesetzlichen (theoretischen) Anspruch auf eine palliative Versorgung, die Praxis ist jedoch anders: Der Übergang von einem Heim in ein Hospiz in dem die Bedingungen für Sterbende ungleich besser sind, wird von den Krankenkassen gesperrt. Denn Hospizkosten pro Patient betragen durchschnittlich €5000, die Kosten im Heim sind wesentlich niedriger.